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Warum die doppelte Buchführung nicht nur etwas für Buchhalter ist

20. April 20269 Min.

1494 veröffentlichte in Venedig ein Franziskanermönch namens Luca Pacioli ein Buch mit dem Titel — der ganze Titel, weil er es wert ist — Summa de Arithmetica, Geometria, Proportioni et Proportionalita.

Unter seinen über sechshundert Seiten war ein Kapitel, das die Welt veränderte: die erste systematische Beschreibung der doppelten Buchführung.

Pacioli hatte die doppelte Buchführung nicht erfunden.

Die venezianischen, florentinischen und genuesischen Kaufleute nutzten sie bereits seit mindestens einem Jahrhundert.

Aber er war es, der sie schriftlich festhielt, sie lehrbar machte und der Welt zeigte, dass man über ein komplexes Geschäft Buch führen kann, ohne durcheinanderzukommen, ohne den Überblick zu verlieren, ohne bestohlen zu werden.

Von diesem Moment an nutzt jedes bedeutende Unternehmen der westlichen Welt — Banken, Kaufleute, Konzerne, bis hin zu den Unternehmen von heute — dieselbe Logik, um Buch zu führen.

Sechshundert Jahre später funktioniert diese Technik für sie immer noch gut.

Die interessante Frage ist eine andere: Warum sollte sie nicht auch für dich funktionieren?

Was die doppelte Buchführung ist, in drei Minuten

In einfacher Sprache ist die Idee diese.

Jede Geldbewegung wird zweimal erfasst, einmal im Soll (Zugang auf einem Konto) und einmal im Haben (Abgang von einem anderen Konto).

Die beiden Beträge müssen gleich sein. Sind sie es nicht, liegt ein Fehler vor.

Die Begriffe Soll und Haben — die ich dir erkläre, weil wir sie nur hier verwenden werden — sind Fachwörter der Buchhaltung: Sie bezeichnen schlicht die beiden Spalten des Hauptbuchs, in denen jede Bewegung eingetragen wird.

Sie haben nicht die umgangssprachliche Bedeutung von „ich soll etwas“ oder „ich habe etwas“.

Es sind Bezeichnungen für zwei Seiten desselben Buchungssatzes, nicht mehr.

Das Ergebnis ist einfach: Wenn du zu einem beliebigen Zeitpunkt alle „Soll“-Beträge und alle „Haben“-Beträge deines Buchs zusammenzählst, muss exakt dieselbe Zahl herauskommen.

Geht es nicht auf, stimmt etwas nicht.

Geht es auf, passt alles.

Sehen wir es uns an einem Beispiel aus dem Alltag an.

Ich zahle 50 Euro im Restaurant mit der Girocard.

In der einfachen Buchführung — der, die natürlich wirkt und die die meisten oberflächlichen Apps verwenden — ist diese Transaktion eine einzige Zeile: „Ich habe 50 Euro im Restaurant ausgegeben“.

Ende.

In der doppelten Buchführung wird dieselbe Transaktion in zwei Zeilen geschrieben: „Mein Girokonto verringert sich um 50 Euro“ — das gehört auf die Haben-Seite des Bankkontos — und gleichzeitig „die Ausgabenkategorie Restaurants erhöht sich um 50 Euro“ — das gehört auf die Soll-Seite von Aufwand Restaurants.

Zwei Zeilen, dieselbe Bewegung, derselbe Betrag, zwei Blickwinkel.

An dieser Stelle die naheliegende Frage: Warum zwei Zeilen für dieselbe Sache?

Weil, wenn du dich in sechs Monaten fragst: „Wie viel habe ich dieses Jahr in Restaurants ausgegeben?“, die Antwort die Summe aller Soll-Buchungen auf Aufwand Restaurants ist.

Und wenn du dich fragst: „Wie viel habe ich auf dem Konto?“, ist die Antwort die Summe von allem, was auf dem Bankkonto ein- und ausgegangen ist.

Ein und dieselbe Transaktion hilft, zwei verschiedene Fragen zu beantworten, und genau deshalb hat die doppelte Buchführung sechs Jahrhunderte unverändert überdauert.

Ein zweites Beispiel, damit du nicht den Eindruck behältst, es ginge nur um Ausgaben.

Mein Gehalt kommt an: 2.500 Euro auf dem Konto.

Doppelte Buchführung: Das Bankkonto erhöht sich um 2.500 (Soll-Seite) und Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit erhöhen sich um 2.500 (Haben-Seite).

Monate später, wenn du dich fragst, wie viel du dieses Jahr verdient hast, hast du die exakte Antwort.

Nie verloren, nie geschätzt, nie am Jahresende aus dem Gedächtnis rekonstruiert.

Was musst du als Nutzer von Cashfulness davon wissen? Nichts.

All das erledigt die App für dich, hinter den Kulissen.

Du erfasst die Transaktion so, wie du sie einem Freund erzählen würdest, und Cashfulness schreibt die beiden Zeilen für dich.

Trotzdem ist es schön zu wissen, was darunter liegt, weil es vieles erklärt, was dir später begegnet.

Was sie konkret löst

Eine sechshundert Jahre alte Technik überlebt nicht aus Trägheit.

Sie überlebt, weil sie echte Probleme löst, für die es bis heute keine besseren Alternativen gibt.

Drei davon im Besonderen.

Das erste ist die automatische Fehlererkennung.

Wenn die Konten nicht aufgehen — die Summe der Soll-Beträge weicht von der Summe der Haben-Beträge ab —, liegt ein Fehler vor.

Das ist keine Meinung und kein Gefühl: Das ist Mathematik.

Du kannst die doppelte Buchführung nicht überlisten, denn sie kann dir nur melden, dass etwas nicht zusammenpasst.

Wer seine Konten im Kopf oder in einer ungefähren Excel-Tabelle führt, bei dem bleiben Fehler monatelang und manchmal jahrelang verborgen — sie kommen erst heraus, wenn ein äußeres Ereignis sie dazu zwingt.

Wer die doppelte Buchführung nutzt, bei dem treten sie in Echtzeit zutage und werden in Echtzeit korrigiert.

Das zweite ist der ausgeglichene Blick auf das Vermögen.

Von welcher Bewegung du auch ausgehst, du befindest dich in einem System, in dem alles mit allem anderen verbunden ist.

Die kleine tägliche Geste, eine Transaktion zu erfassen, baut automatisch an einer größeren Karte mit — der Bilanz, die in der Alltagssprache das Gesamtbild all deiner Konten, deiner Kategorien und deiner Salden zu einem bestimmten Stichtag ist.

Das ist der Unterschied zwischen einem Haufen Kassenbons in einer Schachtel und einem Hauptbuch: Mit den Bons weißt du, was du ausgegeben hast, mit dem Hauptbuch weißt du, wo du stehst.

Das dritte ist das feinste und vielleicht wichtigste: die Gewissheit, dass es einen Ort gibt, an dem alles richtig aufgeschrieben ist.

Das Nettovermögen kann in der doppelten Buchführung nicht „verloren gehen“.

Selbst wenn du eine Bewegung falsch einordnest, geht die Struktur auf. Du musst nur finden, wohin du sie gelegt hast, aber sie ist da.

Diese Gewissheit ist zutiefst befreiend.

Wer versucht hat, ohne doppelte Buchführung Buch zu führen — vielleicht in einer eigenen Excel-Tabelle —, weiß, dass die Unsicherheit unter den Zahlen belastender ist als die Zahlen selbst.

Die doppelte Buchführung nimmt diese Unsicherheit an der Wurzel weg.

Und das ist die Hälfte der Ruhe, von der Cashfulness spricht.

Cashfulness: die unsichtbare doppelte Buchführung

Hat man die Kraft dieser Technik einmal verstanden, lautet die Frage: Warum nutzen sie dann nicht alle?

Die Antwort ist: Der Jargon für Eingeweihte schreckt ab.

Soll, Haben, Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Gegenbuchung — das sind Wörter, die außerhalb ihres Zusammenhangs nach Spezialistenkram klingen, und für die meisten Menschen ist das eine Klippe, deren Umschiffung sich nicht zu lohnen scheint.

Unsere Produktentscheidung war eindeutig: Die doppelte Buchführung ist der Motor, nicht die Oberfläche.

Wer Cashfulness nutzt, sieht in 99 % der Fälle nie eine Zeile, auf der „Soll“ oder „Haben“ steht. Die erweiterte Eingabemaske, die das erlaubt, gibt es — Cashfulness behält sie aus Gründen der Genauigkeit und Vollständigkeit —, aber sie ist nicht die Tür, durch die man täglich hereinkommt.

Man sieht eine App, die fragt: „Was hast du gemacht?“, und man antwortet in der eigenen Sprache: „Ich habe 50 Euro für ein Abendessen im Restaurant La Vela ausgegeben“.

Cashfulness schreibt hinter den Kulissen die beiden ausgeglichenen Buchungszeilen (das Bankkonto verringert sich um 50, Aufwand Restaurants erhöht sich um 50).

Du hast nie an Gegenbuchungen, Erfolgskonten oder Bilanzgliederungen gedacht.

Das System tut es.

Wer aber unter die Haube schauen will, dem verschließt sich die App nicht. Dafür gibt es eben die erweiterte Eingabemaske, von der ich gerade gesprochen habe.

Für die komplexeren Fälle — die Aufteilung einer Ausgabe auf mehrere Kategorien, eine Teilerstattung, eine Transaktion mit Währungsumrechnung, eine Buchung, die mehrere Konten gleichzeitig bewegt (eins-zu-viele, viele-zu-viele) — erlaubt dir die erweiterte Eingabemaske, die Buchungszeilen direkt zu sehen und zu ändern.

Die meisten Nutzerinnen und Nutzer werden sie nie brauchen.

Aber wenn du schon Buchhalter bist oder einfach neugierig, liegt der Kontenplan offen, ist veränderbar, und von hier aus siehst du auch Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung und persönliche Kennzahlen.

Alles stimmig, weil alles auf demselben Motor aufsetzt.

Diese Haltung — zwei Sprachebenen, beide legitim — ist eine bewusste Entscheidung.

Die App verschleiert nichts, um Anfänger nicht zu erschrecken, und sie vereinfacht nichts, um Fachleute nicht zu langweilen.

Sie spricht zu beiden und lässt jedem die Freiheit, auf der Ebene zu bleiben, die er bevorzugt.

Was sich ändert, wenn du sie einmal nutzt

Es gibt etwas, das mir bei denen auffällt, die anfangen, Cashfulness zu nutzen, und sei es nur als unsichtbaren Motor: Sie gehen nicht mehr zurück.

Es wird lästig, Apps zu benutzen, die dir sagen: „Du hast diesen Monat 230 Euro in Restaurants ausgegeben“, ohne dir sagen zu können, von welchem Konto, gegen welche Einnahme, in welchem Anteil am Gesamtfluss.

Es wird unnatürlich, das eigene Vermögen als Kontostand des Girokontos anzusehen statt als Bilanz.

Es wird selbstverständlich, sich bei einer Bewegung zu fragen: „Worum genau geht es hier, woher kommt es und wohin geht es?“ — und das ist die Frage, die Unternehmer seit sechshundert Jahren an ihr Unternehmen stellen und die du heute endlich an dein kleines, wichtiges Familienunternehmen stellen kannst.

Du wurdest — behutsam und ohne es zu merken — darin geschult, über dein Geld als System zu denken.

Von da an wird die Ruhe, von der wir in den anderen Artikeln dieses Blogs sprechen, sehr viel leichter erreichbar, weil sie einen Unterbau hat.

Du hast ein Werkzeug, das tut, was die venezianischen Kaufleute jahrhundertelang getan haben, angewandt auf dein heutiges Leben.

Und im Grunde ist Cashfulness genau das: ein Vorschlag, die eigenen Familienfinanzen wie ein kleines Unternehmen zu führen.

Nicht um sie kalt zu machen, nicht um sie zu industrialisieren, nicht um der Familie ihre emotionale Dimension zu nehmen.

Sondern um ihr ein ernsthaftes Werkzeug zu geben, ebenbürtig dem, das Menschen in ihrer Arbeit seit jeher hatten und das zu Hause immer gefehlt hat.

Wenn du die doppelte Buchführung in der persönlichen Finanzwelt vertiefen willst, noch bevor du Cashfulness ausprobierst: Ich habe genau darüber ein Buch geschrieben, Strategie per la Finanza Personale (auf Italienisch), das Schritt für Schritt erklärt, wie man sie mit GNUCash anwendet — der Software, von der ich im ersten Artikel dieses Blogs spreche, dem Werkzeug, mit dem ich die ganze Methode aufgebaut habe, bevor ich zu Cashfulness kam.

Du findest es bei Amazon. Es wird künftig aktualisiert und Cashfulness als praktisches Werkzeug einbeziehen, aber das begriffliche Gerüst bleibt dasselbe.

Wenn du Cashfulness ausprobieren möchtest, warten wir auf der Beta-Warteliste unter cashfulness.com/beta auf dich.

— Vittorio