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Lektion 6

Die Bestandsaufnahme deines Vermögens: das Foto, mit dem du startest

23. Oktober 202618 Min.

Kurz gesagt

Die Bestandsaufnahme deines Vermögens ist das Inventar zum Start: alles, was du besitzt, und alles, was du schuldest, zu einem Datum, jeder Posten mit Quelle und Datum. In der doppelten Buchführung wird jedes Konto gegen ein Konto des Eigenkapitals eröffnet, die Eröffnungssalden; dessen Saldo ist dein Nettovermögen zum Start. Das ist kein Ertrag: Es läuft nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung, denn an diesem Tag ist nichts passiert.

Diese Seite gehört zu Lektion 6 des kostenlosen Videokurses "Doppelte Buchführung Schritt für Schritt". Die Beträge sind Beispiele aus der Geschichte von Annas Familie, die wir durch den ganzen Kurs begleiten: dieselben wie im Video. Haus und Auto sind Schätzungen, und sie sind als Schätzungen gekennzeichnet.

Die Lektion ansehen

Unten findest du die Checkliste, Annas Zahlen mit Quelle und Datum, die sieben Eröffnungsbuchungen mit ihren Summen, das Konto, das im April auftaucht, und am Ende das Transkript.

Du musst die Vergangenheit nicht rekonstruieren

Anna hat beschlossen, die Finanzen der Familie in doppelter Buchführung zu führen. Ihr erster Impuls: in die Vergangenheit zurückgehen, mit Kontoauszügen aus zehn Jahren, Kassenzetteln und Quittungen. Das braucht sie nicht. Sie braucht ein gutes Foto vom Tag, an dem sie startet, dem 1. März.

Dieses Foto ist die Bestandsaufnahme deines Vermögens: die Liste von dem, was du besitzt, und von dem, was du schuldest, zu einem bestimmten Datum. Ziehst du die Schulden ab, bleibt das Nettovermögen, mit dem du startest. Und diese Zahl ist kein Gewinn: Sie war schon da.

Die Checkliste

Am Anfang steht eine Checkliste. Schon Luca Pacioli, der Franziskanermönch, der die doppelte Buchführung 1494 als Erster in einem gedruckten Buch erklärt hat, riet dem Kaufmann, mit dem Inventar zu beginnen.

Was du suchstBeispieleWo du die Zahl findest
Konten und BargeldGirokonto, Sparkonto, BargeldOnlinebanking oder Kontoauszug; Bargeld zählst du
KreditkartenEinkäufe, die noch nicht abgerechnet sindApp oder Abrechnung der Karte
SchuldenHypothek, Autokredit, andere DarlehenTilgungsplan: die Restschuld
GeldanlagenETF, Fonds, WertpapiereDepotauszug zum Stichtag
Wichtige GüterHaus, AutoAnzeigen für ähnliche Güter, mit einem vorsichtigen Betrag
ForderungenGeld, das andere dir schuldeneine schriftliche Vereinbarung, eine Quittung

Der Mixer nicht, das Sofa auch nicht. Wenn ein Gegenstand das Ergebnis nicht verändert, bleibt er draußen: Die Bestandsaufnahme soll ja auch irgendwann fertig werden. Unten auf der Seite findest du dieselbe Liste, zum Ausfüllen mit deinen eigenen Zahlen.

Die Zahlen, die man abliest

Manche Zahlen liest du einfach aus einem Dokument ab. Bei Anna:

PostenWertQuelleDatum
Girokonto5.000,00 €Onlinebanking1. März
Bargeld200,00 €in der Geldbörse gezählt1. März
Kreditkarte0,00 €App der Bank1. März
Hypothek130.000,00 €Tilgungsplan, Restschuld1. März
Autokredit6.000,00 €Tilgungsplan des Kreditgebers, Restschuld1. März

Bei der Hypothek zählt nicht, was dir die Bank am Anfang geliehen hat, sondern die Restschuld: der Teil, der noch zurückzuzahlen ist. Du findest sie im Tilgungsplan der Bank. Die künftigen Zinsen sind keine Schuld von heute: Sie werden Rate für Rate zu Aufwand.

Auf der Kreditkarte wartet kein Einkauf auf die Abrechnung. Bei null braucht es keine Buchung.

Die Zahlen, die man schätzt

Andere Zahlen schätzt du, und hier ist Ehrlichkeit gefragt.

PostenWertQuelleDatum
ETF10.000,00 €Depotauszug, Marktpreis1. März
Eigenheim200.000,00 €Anzeigen ähnlicher Häuser in der Gegend, vorsichtiger Betrag1. März
Auto18.000,00 €Gebrauchtwagenanzeigen für dasselbe Modell1. März

Der ETF, ein börsengehandelter Fonds, der einem Index folgt, kommt mit dem Wert aus dem Depotauszug hinein, nicht mit dem, was Anna eingezahlt hat. Er hat einen Marktpreis, deshalb ist das die solideste Schätzung. Das Auto hat Anna für 30.000 Euro gekauft, aber es kommt mit 18.000 Euro hinein, dem Preis desselben Modells auf Gebrauchtwagenportalen.

Keiner dieser Werte ist der genaue Wert. Jeder ist die beste belegte Schätzung zum 1. März.

Belegt heißt: Der Beleg wird aufbewahrt, also der Depotauszug, der Tilgungsplan der Bank, die Anzeigen. In Cashfulness, der App, die ich gebaut habe, um die Finanzen zu Hause in doppelter Buchführung zu führen, gibt es kein Feld "Quelle" zum Ausfüllen: Der Beleg wird bei den Dokumenten hochgeladen, mit seinem Datum, und mit dem Konto verknüpft.

Das Foto vom 1. März

Annas Familie am 1. März

KontoBetrag
Vermögenswerte
Girokonto5.000,00 €
Bargeld200,00 €
ETF10.000,00 €
Eigenheim200.000,00 €
Auto18.000,00 €
Summe der Vermögenswerte233.200,00 €
Verbindlichkeiten
Hypothek130.000,00 €
Autokredit6.000,00 €
Summe der Verbindlichkeiten136.000,00 €
Nettovermögen97.200,00 €

233.200 Euro minus 136.000 Euro sind 97.200 Euro: das Nettovermögen der Familie am 1. März. Keine Note. Der Punkt, von dem sie starten.

Die Eröffnungsbuchung

Jetzt die Frage eines Buchhalters. Jeder Vorgang wird auf mindestens zwei Konten gebucht, und die Summe im Soll ist gleich der Summe im Haben. Das Girokonto startet mit 5.000 Euro: Es ist ein Vermögenswert, und ein Vermögenswert wächst im Soll.

Und im Haben? Kein Gehalt: Dieses Geld hat Anna nicht am 1. März verdient. Dafür braucht man ein eigenes Konto im Eigenkapital, dem Teil, der dir gehört. In Cashfulness heißt es Eröffnungssalden.

1. März · A1, Eröffnungssaldo des Girokontos

KontoSollHaben
Girokonto (Vermögenswert, wächst)5.000,00 €
Eröffnungssalden (Eigenkapital, wächst)5.000,00 €
Summe5.000,00 €5.000,00 €

Sieben Buchungen, eine pro Konto

Bei jedem Posten genauso: Bargeld, ETF, Haus und Auto ins Soll, Eröffnungssalden ins Haben. Bei den Schulden dreht sich die Richtung um, denn eine Verbindlichkeit wächst im Haben: Die Schuld kommt ins Haben, die Eröffnungssalden ins Soll.

1. März · die sieben Eröffnungsbuchungen

Nr.KontoSollHaben
A1Girokonto5.000,00 €
A1Eröffnungssalden5.000,00 €
A2Bargeld200,00 €
A2Eröffnungssalden200,00 €
A3ETF (Wert laut Depotauszug)10.000,00 €
A3Eröffnungssalden10.000,00 €
A4Eigenheim (vorsichtige Schätzung nach ähnlichen Anzeigen)200.000,00 €
A4Eröffnungssalden200.000,00 €
A5Auto (Gebrauchtwagenanzeigen)18.000,00 €
A5Eröffnungssalden18.000,00 €
A6Eröffnungssalden130.000,00 €
A6Hypothek (Restschuld laut Tilgungsplan der Bank)130.000,00 €
A7Eröffnungssalden6.000,00 €
A7Autokredit (Restschuld)6.000,00 €
Summe369.200,00 €369.200,00 €

Jede Buchung ist ausgeglichen, und die Summe auch: 369.200 Euro im Soll, 369.200 Euro im Haben.

Jetzt schau nur auf das Konto Eröffnungssalden.

Das Konto Eröffnungssalden nach den sieben Buchungen

EröffnungssaldenSollHaben
A1 bis A5, die fünf Vermögenswerte233.200,00 €
A6 und A7, die zwei Schulden136.000,00 €
Saldo97.200,00 €

Der Saldo ist 97.200 Euro im Haben: das Nettovermögen, von der anderen Seite gesehen.

Ein Wort zu den Vorzeichen: In Cashfulness hat eine Zeile im Soll ein Pluszeichen und eine Zeile im Haben ein Minuszeichen, so ergibt jede ausgeglichene Buchung zusammen null. Das ist eine Konvention der App. Ob ein Konto steigt oder sinkt, hängt von seiner Familie ab, nicht vom Vorzeichen.

Warum es kein Ertrag ist

Warum diese 97.200 Euro nicht zu den Erträgen buchen? Weil die Gewinn- und Verlustrechnung erzählt, was in einem Zeitraum passiert, und am 1. März ist nichts passiert. Anna ist nicht reicher geworden: Sie hat aufgeschrieben, was schon da war. Würde die Eröffnung über die Erträge laufen, hätte der März gleich einen Gewinn von 97.200 Euro, den niemand erzielt hat.

Kommt die Eröffnung hinein?Warum
Bilanzjadas ist das Foto zum Start
Gewinn- und Verlustrechnungneinam 1. März ist nichts passiert

Das gilt in jeder Buchführung: Anfangsbestände sind kein Ertrag. Der Name des Kontos, Eröffnungssalden, ist dagegen eine Entscheidung von Cashfulness.

Ein Konto, das im April auftaucht

Die geführte Einrichtung machst du nur einmal. Was später dazukommt, fügst du Konto für Konto hinzu.

Am 20. April räumt Anna eine Schublade auf und findet die Unterlagen eines Sparkontos: 3.000 Euro, vergessen. Jetzt müssen sie gebucht werden.

Jetzt du

3.000 Euro gefunden: Ist das ein Gehalt?

Versuch zu antworten, bevor du weiterliest.

Nein. Anna hat sie nicht im April verdient: Sie hatte sie schon. Es ist ein Eröffnungssaldo, der verspätet auftaucht, und Anna bucht ihn mit dem Datum 1. März, denn er war schon damals da.

R4 · Sparkonto, gefunden am 20. April, gebucht zum 1. März

KontoSollHaben
Sparkonto (Vermögenswert, wächst)3.000,00 €
Eröffnungssalden (Eigenkapital, wächst)3.000,00 €
Summe3.000,00 €3.000,00 €

Durch die Brille von Lektion 5 gehört das Sparkonto zu den Vermögenswerten+: Es zahlt Zinsen, also bringt es etwas ein.

Schau, was sich ändert.

Nach dem FundWirkung
Gebuchtes Nettovermögen am 1. Märzsteigt von 97.200,00 € auf 100.200,00 €
Gewinn im Aprilunverändert
Tatsächliches Vermögenunverändert: Das Konto war schon da

Das Foto hatte eine Lücke, und jetzt ist sie geschlossen. Das Foto wird berichtigt; es entsteht kein Vermögen.

Der Satz zum Mitnehmen

Ein Eröffnungssaldo sagt nicht, wie viel du verdient hast. Er sagt, wo du startest.

So macht es Cashfulness

In Cashfulness läuft die Bestandsaufnahme über vier Stellen.

  • Die geführte Bestandsaufnahme. Wenn du einen neuen Buchhaltungsbereich anlegst, führt dich die App durch die Bestandsaufnahme, eine Kategorie nach der anderen: zuerst das "Datum der Aufnahme", dann "Liquidität", "Geldanlagen", "Immobilien", "Bewegliche Güter", "Forderungen", "Kurzfristige Verbindlichkeiten" und "Langfristige Verbindlichkeiten". Die Schulden trägst du ohne Vorzeichen ein, so wie du sie sagen würdest: Das Vorzeichen setzt die App. Die Bestandsaufnahme machst du nur einmal, am Anfang.
  • Ein fertiger Kontenplan. Am Ende schlägt dir die geführte Einrichtung die häufigsten Ertragskonten und Aufwandskonten vor, und einige leitet sie aus dem ab, was du eingegeben hast: Immobilienkosten beim Haus, Fahrzeugkosten beim Auto, Hypothekenzinsen bei der Hypothek. Dort gibst du keinen Betrag ein: Erträge und Aufwendungen starten bei null und füllen sich mit deinen Buchungen. Du kommst aus der Bestandsaufnahme mit einem Kontenplan, mit dem du sofort buchen kannst.
  • Die Eröffnungsbuchungen. Die Vorschau "Hier ist deine erste Bilanz" zeigt dir deine erste Bilanz. Wenn du bestätigst, legt die App für jedes Konto mit einem Saldo eine Eröffnungsbuchung an, gegen die Eröffnungssalden, mit dem Datum der Aufnahme. In Annas "Journal" sind es im Video sieben, mit Beschreibungen wie "Eröffnungssaldo: Girokonto". In der "Bilanz" stehen die "Eröffnungssalden" im "Eigenkapital"; in der "Gewinn- und Verlustrechnung" für März taucht die Eröffnung nicht auf.
  • Ein Konto, das später dazukommt. Wenn du ein Konto mit einem Saldo anlegst, fragt die App: "Stammt dieses Geld von einem Konto, das du bereits in Cashfulness hast?" Antwortest du mit Ja, ist es eine Umbuchung zwischen zwei eigenen Konten, und dein Nettovermögen ändert sich nicht. Antwortest du mit Nein, ist es eine Position, die du schon hattest: Das Gegenkonto der Buchung sind die Eröffnungssalden, und die App fragt "Seit wann besitzt du es?". Anna antwortet: seit dem 1. März, dem echten Datum, nicht dem Tag, an dem sie es gefunden hat.

Den Beleg jeder Zahl, also den Depotauszug, den Tilgungsplan der Bank, die Anzeigen, legst du in den Dokumenten ab (die Seite heißt "Dokumente", in der Seitenleiste "Dokumentenverwaltung"): Jedes Dokument hat sein Datum und lässt sich mit "Mit Konto verknüpfen" einem Konto zuordnen.

Was allgemeines Prinzip ist und was eine Entscheidung von Cashfulness

Allgemeine Prinzipien

  • Jeder Vorgang berührt mindestens zwei Konten, und die Summe im Soll ist gleich der Summe im Haben. Vermögenswerte wachsen im Soll; Verbindlichkeiten und Eigenkapital wachsen im Haben.
  • Anfangsbestände sind kein Ertrag: Sie laufen nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung.
  • Haus, Auto und andere nicht börsennotierte Güter kommen mit einer Schätzung zu einem Stichtag hinein, mit ihrer Quelle, nicht mit dem genauen Wert. Ein börsennotiertes Wertpapier hat einen Marktpreis, und der ist die solideste Schätzung.
  • Bei der Hypothek zählt die Restschuld; die künftigen Zinsen werden zu Aufwand, wenn sie anfallen.
  • Ein vergessener Saldo, der später auftaucht, ist ein Eröffnungssaldo, kein Ertrag: Er berichtigt das gebuchte Nettovermögen, er schafft kein Vermögen.
  • In der Sprache der deutschen Lehrbücher ist die Bestandsaufnahme die Inventur, die Liste, die daraus entsteht, das Inventar, und das Gegenkonto der Eröffnungsbuchungen heißt Eröffnungsbilanzkonto. Das Handelsgesetzbuch verlangt von jedem Kaufmann, zu Beginn seines Handelsgewerbes ein Inventar und eine Eröffnungsbilanz aufzustellen (§ 240 und § 242 HGB). Für private Haushalte gilt diese Pflicht nicht: Es zeigt nur, woher die Methode kommt.

Entscheidungen von Cashfulness

  • Der Name des Kontos Eröffnungssalden und seine Stellung im Eigenkapital.
  • Eine Eröffnungsbuchung pro Konto statt einer einzigen Buchung mit allen Zeilen. Das Ergebnis ist dasselbe.
  • Das Vorzeichen: Eine Zeile im Soll hat ein Pluszeichen, eine Zeile im Haben ein Minuszeichen, so ergibt jede ausgeglichene Buchung zusammen null.
  • Bei einem Konto, das später dazukommt, die Frage, woher das Geld kommt, und, wenn es eine Position ist, die du schon hattest, das Datum, seit dem du sie besitzt: Es wird zum Datum der Buchung.
  • Die Brille Vermögenswerte+ und Vermögenswerte−: Bringt es etwas ein, oder nicht? Hier gehören der ETF und das im April gefundene Sparkonto zu den Vermögenswerten+.

Entscheidungen dessen, der die Bücher führt

  • Was in der Bestandsaufnahme draußen bleibt: Haushaltsgegenstände, die das Ergebnis nicht verändern.
  • Welche Quelle du für eine Schätzung nimmst, und wie vorsichtig du bist.

Diese private Buchführung ist keine Buchführung nach Handels- oder Steuerrecht: Für Unternehmen gelten andere Bewertungsregeln. Die Beträge sind Beispiele und sollen nur den Mechanismus zeigen.

Häufige Fragen

Muss ich die vergangenen Jahre rekonstruieren, bevor ich anfange?

Nein. Du wählst ein Datum und machst ein Foto von diesem Tag. Die Vergangenheit bleibt außerhalb der Gewinn- und Verlustrechnung; wichtig ist, dass das Foto zum Start vollständig und belegt ist.

Wie genau muss die Schätzung des Hauses sein?

Genau genug, dass sie dich nicht täuscht. Ein vorsichtiger Betrag aus Anzeigen ähnlicher Häuser in deiner Gegend, mit dem Datum daneben, ist nützlicher als eine genaue Zahl, von der du nicht weißt, woher sie kommt. Die Schätzung aktualisierst du, wenn sich etwas Wichtiges ändert.

Ich habe in der Bestandsaufnahme ein Konto vergessen: Was tue ich?

Du fügst es hinzu, wenn du es findest, mit seinem Saldo gegen die Eröffnungssalden. Das ist kein Ertrag: Das gebuchte Nettovermögen wird berichtigt, dein tatsächliches Vermögen hat sich nicht verändert. Wenn die App dich fragt, gib an, seit wann du es besitzt.

Transkript der Lektion

Der Text von Lektion 6, so wie er im Video gesprochen wird. Die Zahlen sind dieselben wie im Video.

Anna hat beschlossen, die Finanzen der Familie in doppelter Buchführung zu führen. Ihr erster Impuls: in die Vergangenheit zurückgehen. Kontoauszüge aus zehn Jahren, Kassenzettel, Quittungen. Das braucht sie nicht. Sie braucht nur eines: ein gutes Foto vom 1. März, dem Tag, an dem sie startet.

Dieses Foto nennt man Bestandsaufnahme des Vermögens. Es ist die Liste von allem, was du besitzt, und von allem, was du schuldest, zu einem bestimmten Datum. Jeder Posten kommt mit einer Zahl und mit seiner Quelle hinein. Ziehst du die Schulden ab, bleibt das Nettovermögen, mit dem du startest. Und eines gleich vorweg: Diese Zahl ist kein Gewinn. Sie war schon da.

Am Anfang steht eine Checkliste. Luca Pacioli war der Franziskanermönch, der die doppelte Buchführung 1494 als Erster in einem gedruckten Buch erklärt hat. Und schon er riet dem Kaufmann, mit dem Inventar zu beginnen. Konten und Bargeld. Karten. Schulden. Geldanlagen. Die Dinge, die ins Gewicht fallen, wie das Haus und das Auto. Und das Geld, das dir jemand schuldet. Der Mixer nicht, das Sofa auch nicht. Wenn ein Gegenstand das Ergebnis nicht verändert, bleibt er draußen. Die Bestandsaufnahme soll ja auch irgendwann fertig werden.

Manche Zahlen liest du einfach ab. Den Saldo des Girokontos am 1. März, aus dem Onlinebanking, also von der Website der Bank: 5.000 Euro. Das Bargeld in der Geldbörse: 200 Euro. Auf der Kreditkarte wartet kein Einkauf auf die Abrechnung: null. Bei der Hypothek trägst du nicht ein, was man dir am Anfang geliehen hat. Du trägst die Restschuld ein, also den Teil, der noch zurückzuzahlen ist. Du findest sie im Tilgungsplan, der Tabelle mit den Raten der Bank: 130.000 Euro. Die künftigen Zinsen bleiben draußen. Sie werden Rate für Rate zu Aufwand. Beim Autokredit genauso: 6.000 Euro.

Andere Zahlen schätzt du, und hier ist Ehrlichkeit gefragt. Nimm den ETF, einen börsengehandelten Fonds, der einem Index folgt. Er kommt mit dem Wert aus dem Depotauszug hinein, nicht mit dem, was Anna eingezahlt hat: 10.000 Euro. Er hat einen Marktpreis, deshalb ist das die solideste Schätzung. Für das Haus schaut sich Anna Anzeigen ähnlicher Häuser in ihrer Gegend an. Sie wählt einen vorsichtigen Betrag: 200.000 Euro. Das Auto hat sie für 30.000 Euro gekauft. Auf Gebrauchtwagenportalen ist dasselbe Modell etwa 18.000 Euro wert, also kommt es mit 18.000 Euro hinein. Keiner dieser Werte ist der genaue Wert. Jeder ist die beste belegte Schätzung zum 1. März. Und für jede Zahl bewahrt Anna den Beleg auf: den Depotauszug, den Tilgungsplan der Bank, die Anzeigen. In Cashfulness lädt sie die Belege bei den Dokumenten hoch, mit ihrem Datum, und verknüpft sie mit dem Konto.

Jetzt die Summen. Was sie besitzen: 5.000 plus 200, plus 10.000, plus 200.000, plus 18.000. Zusammen 233.200 Euro. Was sie schulden: 130.000 plus 6.000, also 136.000 Euro. Die Differenz ist 97.200 Euro. Das ist das Nettovermögen der Familie am 1. März. Keine Note. Der Punkt, von dem sie starten.

Jetzt die Frage eines Buchhalters. Jeder Vorgang wird auf mindestens zwei Konten gebucht, und die Summe im Soll ist gleich der Summe im Haben. Das Girokonto startet mit 5.000 Euro. Es ist ein Vermögenswert, und ein Vermögenswert wächst im Soll. Und im Haben? Kein Gehalt: Dieses Geld hat Anna nicht am 1. März verdient. Dafür braucht man ein eigenes Konto im Eigenkapital, dem Teil, der dir gehört. Cashfulness ist die App, die ich gebaut habe, um die Finanzen zu Hause in doppelter Buchführung zu führen. Dort heißt dieses Konto Eröffnungssalden. Girokonto 5.000 Euro ins Soll, Eröffnungssalden 5.000 Euro ins Haben. Die Summe ist null.

Bei jedem Posten genauso. Bargeld, ETF, Haus und Auto ins Soll, Eröffnungssalden ins Haben. Bei den Schulden dreht sich die Richtung um, denn eine Verbindlichkeit wächst im Haben. Hypothek 130.000 Euro ins Haben, Eröffnungssalden ins Soll. Das sind sieben Buchungen, eine pro Konto. Jetzt schau auf die Eröffnungssalden: 233.200 Euro im Haben, 136.000 Euro im Soll. Der Saldo ist 97.200 Euro im Haben. Das ist das Nettovermögen, von der anderen Seite gesehen. Ein Wort zu den Vorzeichen. In Cashfulness hat eine Zeile im Soll ein Pluszeichen, eine Zeile im Haben ein Minuszeichen. Das ist eine Konvention der App. Ob ein Konto steigt oder sinkt, hängt von seiner Familie ab, nicht vom Vorzeichen.

Warum diese 97.200 Euro nicht zu den Erträgen buchen? Weil die Gewinn- und Verlustrechnung erzählt, was in einem Zeitraum passiert. Und am 1. März ist nichts passiert. Anna ist nicht reicher geworden: Sie hat aufgeschrieben, was schon da war. Würde die Eröffnung über die Erträge laufen, hätte der März gleich einen Gewinn von 97.200 Euro. Einen Gewinn, den niemand erzielt hat. Das gilt in jeder Buchführung: Was am Anfang schon da ist, ist kein Ertrag. Der Name des Kontos, Eröffnungssalden, ist dagegen eine Entscheidung von Cashfulness.

So sieht es in der App aus. Das ist Annas Bereich am Tag null. In der Bilanz: Vermögenswerte 233.200 Euro, Verbindlichkeiten 136.000 Euro, Eigenkapital 97.200 Euro. Im Eigenkapital steht das Konto Eröffnungssalden. In der Gewinn- und Verlustrechnung für März steht dagegen nichts: kein Ertrag, kein Aufwand. Und im Journal findest du die sieben Buchungen, jede mit dem Namen ihres Kontos.

So kommst du dorthin. Wenn du einen neuen Buchhaltungsbereich anlegst, führt dich Cashfulness durch die Bestandsaufnahme, eine Kategorie nach der anderen. Zuerst das Datum der Aufnahme: der 1. März. Dann die Liquidität: Girokonto 5.000 Euro, Bargeld 200 Euro. Dann Geldanlagen, Immobilien, bewegliche Güter. Die Schulden trägst du so ein, wie du sie sagen würdest, ohne Vorzeichen: 130.000 Euro Hypothek, 6.000 Euro Autokredit. Das Vorzeichen setzt die App. Dann schlägt dir die geführte Einrichtung die häufigsten Ertragskonten und Aufwandskonten vor. Einige leitet sie aus dem ab, was du eingegeben hast. Beim Haus die Immobilienkosten, beim Auto die Fahrzeugkosten, bei der Hypothek die Zinsen. Dort gibst du keinen Betrag ein. Erträge und Aufwendungen starten bei null und füllen sich mit deinen Buchungen. Das ist ein fertiger Kontenplan, damit du sofort mit dem Buchen anfangen kannst. Die Vorschau zeigt dir deine erste Bilanz. Wenn du bestätigst, legt die App die sieben Eröffnungsbuchungen an, eine pro Konto, jede gegen die Eröffnungssalden.

Die geführte Einrichtung machst du nur einmal. Was später dazukommt, fügst du Konto für Konto hinzu. Am 20. April räumt Anna eine Schublade auf und findet die Unterlagen eines Sparkontos. 3.000 Euro, vergessen. Jetzt müssen sie gebucht werden.

Sind diese 3.000 Euro ein Gehalt? Denk kurz darüber nach.

Nein. Anna hat sie nicht im April verdient: Sie hatte sie schon. Es ist ein Eröffnungssaldo, der verspätet auftaucht. Sparkonto 3.000 Euro ins Soll, Eröffnungssalden 3.000 Euro ins Haben.

Anna bucht es mit dem Datum 1. März, denn es war schon damals da. Schau, was sich ändert. Das gebuchte Nettovermögen steigt um 3.000 Euro. Das Foto vom 1. März, heute neu gemacht, geht von 97.200 auf 100.200 Euro. Der Gewinn im April bewegt sich nicht. Und Annas tatsächliches Vermögen hat sich überhaupt nicht verändert. Das Foto hatte eine Lücke, und jetzt ist sie geschlossen.

Die App stellt dir dieselbe Frage. Wenn du ein Konto mit einem Saldo anlegst, fragt sie dich etwas. Kommt das Geld von einem Konto, das du schon in Cashfulness hast? Antwortest du mit Ja, ist es eine Umbuchung zwischen zwei eigenen Konten: Dein Nettovermögen ändert sich nicht. Antwortest du mit Nein, ist es eine Position, die du schon hattest. Dann sind die Eröffnungssalden das Gegenkonto. Danach fragt sie, seit wann du es besitzt. Anna antwortet: seit dem 1. März. Das ist das echte Datum, nicht der Tag, an dem sie es gefunden hat. Dadurch sieht es nicht so aus, als wäre dieses Vermögen erst im April entstanden.

Ein Eröffnungssaldo sagt nicht, wie viel du verdient hast. Er sagt, wo du startest. Aber ein Foto ist nur etwas wert, wenn du es immer wieder mit der Wirklichkeit vergleichst. Anfang April legt Anna den Kontoauszug vom März neben ihre Konten, und die Zahlen stimmen nicht überein. Es fehlen 18 Euro. In der nächsten Lektion suchen wir sie, ohne eine Korrektur zu erfinden. Die Checkliste für deine Bestandsaufnahme findest du auf der Seite der Lektion. Der Link steht in der Beschreibung.

Die vorherige Lektion

Lektion 5 · Dein Eigenheim: Ertrag oder Kosten? Vermögenswerte+ und Vermögenswerte−. Annas Haus ist 200.000 Euro wert und bringt ihr keinen einzigen Euro ein. Für die Buchhaltung bleibt es ein Vermögenswert; Cashfulness stellt ihm eine andere Frage: Bringt es dir etwas ein, oder nicht?

Die nächste Lektion

Lektion 7 · 18 € fehlen: Kontenabstimmung mit dem Kontoauszug, einfach erklärt. Ein Foto ist nur etwas wert, wenn du es immer wieder mit der Wirklichkeit vergleichst. Anfang April legt Anna den Kontoauszug vom März neben ihre Konten, und es fehlen 18 Euro: Sie sucht sie, ohne eine Korrektur zu erfinden.

Probier es mit deinen eigenen Konten: die Checkliste für die Bestandsaufnahme

Wähl deinen eigenen Starttag und schreib jeden Posten in eine Zeile: den Wert, die Quelle, das Datum. Bei Schulden die Restschuld. Wenn ein Posten das Ergebnis nicht verändert, lass ihn weg.

PostenWertQuelleDatum
Konten und Bargeld
Kreditkarten: Einkäufe, die noch nicht abgerechnet sind
Schulden: Hypothek, Autokredit, andere Darlehen (Restschuld)
Geldanlagen
Wichtige Güter: Haus, Auto
Forderungen: Geld, das andere dir schulden
Nettovermögen: Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten

Bewahr den Beleg jeder Zahl auf. In einem Jahr sagt er dir, woher diese Zahl kommt.

Ich habe Cashfulness gebaut, um die Finanzen zu Hause in doppelter Buchführung zu führen. Wenn du für deine Bestandsaufnahme eine Begleitung möchtest: Die geführte Bestandsaufnahme bringt dich Kategorie für Kategorie hindurch, legt die Eröffnungsbuchungen gegen die Eröffnungssalden an und lässt dir einen Kontenplan, mit dem du sofort buchen kannst.

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Quellen

  • Luca Pacioli, Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportionalità (Venedig 1494), Traktat Particularis de computis et scripturis: die Kapitel über das Inventar zu Beginn.
  • Handelsgesetzbuch, § 240 Inventar und § 242 Pflicht zur Aufstellung: Jeder Kaufmann verzeichnet zu Beginn seines Handelsgewerbes seine Grundstücke, Forderungen und Schulden, sein Bargeld und seine sonstigen Vermögensgegenstände, mit ihrem Wert, und stellt eine Eröffnungsbilanz auf. Für private Haushalte gilt das nicht; es zeigt nur, woher die Methode kommt.
  • BaFin, Immobilienkredit im Überblick: Die Rate setzt sich aus Zins- und Tilgungsanteil zusammen, mit jeder Tilgung sinkt die Restschuld, und vor dem Vertrag bekommst du ein Beispiel für einen Tilgungsplan.
  • Die Beispiele stammen aus der Geschichte von Annas Familie, die für den Kurs "Doppelte Buchführung Schritt für Schritt" entwickelt wurde: Jede Buchung ist geprüft, mit Summe Soll gleich Summe Haben.

Vittorio Giusti ist Ökonom und Psychologe und hat Cashfulness gebaut.

— Vittorio Giusti