CashfulnessCashfulness
Cashfulness herunterladen
Lektion 2

Soll und Haben einfach erklärt, mit vier Beispielen aus dem Haushalt

23. Oktober 202620 Min.

Kurz gesagt

Soll und Haben sind die beiden Spalten jedes Kontos: Soll links, Haben rechts. Sie bedeuten nicht Geld raus und Geld rein. Die Seite hängt von der Familie des Kontos ab: Vermögenswerte und Aufwendungen nehmen im Soll zu; Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Erträge nehmen im Haben zu. Deshalb steht ein Gehalt, das aufs Girokonto kommt, im Soll des Girokontos und im Haben des Ertragskontos.

Diese Seite gehört zu Lektion 2 des kostenlosen Videokurses "Doppelte Buchführung Schritt für Schritt". Die Beträge sind Beispiele aus der Geschichte von Annas Familie, die wir durch den ganzen Kurs begleiten: dieselben wie im Video.

Die Lektion ansehen

Unten findest du die vier Buchungen in Tabellen, mit ihren Summen, die Regel der fünf Familien und am Ende das Transkript.

Das Gehalt, das im Haben landet

Am 5. März kommt Annas Gehalt: 2.000 Euro aufs Girokonto. Geld, das hereinkommt. Und trotzdem kommt eine der beiden Zeilen der Buchung ins Haben.

Wenn du denkst, Haben heißt Abgang, oder Haben heißt Besitz, sieht das wie ein Fehler aus. Es ist keiner. Und diese Zeile steht nicht einmal auf dem Girokonto.

Soll und Haben sind die Namen von zwei Spalten: Soll links, Haben rechts. In welche Spalte eine Zeile kommt, entscheidet die Art des Kontos, das sich verändert, nicht die Richtung des Geldes. Soll und Haben heißen nicht Geld raus und Geld rein. Und auch nicht schlecht und gut.

Ich zeige es dir an vier Vorgängen aus Annas Monat, der Reihe nach: das Gehalt, der Einkauf, ein Abendessen mit der Kreditkarte und der Tag, an dem die Karte bezahlt wird.

Ein Konto, ein T

In der doppelten Buchführung zeichnet man ein Konto wie ein T, deshalb heißt es T-Konto: oben der Name, links Soll, rechts Haben.

Jeder Vorgang wird mit einer Buchung festgehalten: mindestens zwei Zeilen, auf mindestens zwei Konten. Es können auch drei sein, oder vier. Eine Regel gilt ohne Ausnahme: Die Summe im Soll ist gleich der Summe im Haben.

Erster Fall: Annas Gehalt

Für die ersten Schritte nehme ich einen einfachen Kompass, eine Faustregel: wohin das Geld geht, und woher es kommt.

Die 2.000 Euro gehen aufs Girokonto: Soll, 2.000. Sie kommen aus Annas Arbeit, also vom Konto Gehalt Anna: Haben, 2.000.

5. März · Annas Gehalt aufs Girokonto

KontoSollHaben
Girokonto (Vermögenswert, steigt)2.000,00 €
Gehalt Anna (Ertrag, steigt)2.000,00 €
Summe2.000,00 €2.000,00 €

Das ist die Zeile vom Anfang. Gehalt Anna ist ein Ertrag: etwas, das von außen kommt und dich reicher macht. Und Haben heißt hier nicht, dass Anna etwas in der Tasche hat. Es heißt nur: rechte Spalte.

Zweiter Fall: der Großeinkauf am 6. März

Am nächsten Tag macht Anna einen Großeinkauf im Supermarkt: 85 Euro, mit der Debitkarte. Das Geld geht aufs Konto Supermarkt, und das ist ein Aufwand, etwas, das du verbrauchst und das nicht zurückkommt: Soll, 85. Es kommt vom Girokonto, und das sinkt: Haben, 85.

6. März · Großeinkauf mit der Debitkarte

KontoSollHaben
Supermarkt (Aufwand, steigt)85,00 €
Girokonto (Vermögenswert, sinkt)85,00 €
Summe85,00 €85,00 €

Jetzt schau aufs Girokonto. Am 5. März stand seine Zeile im Soll, am 6. März im Haben. Dasselbe Konto, die andere Spalte, denn einmal steigt es, und einmal sinkt es. Keine der beiden Spalten ist die gute.

Wo der Kompass hakt

Bis hierhin funktioniert der Kompass. Am 14. März aber gehen Anna und Luca essen und zahlen 60 Euro mit der Kreditkarte. Vom Girokonto geht nichts ab.

Das Geld geht ans Restaurant, so weit, so gut. Aber woher kommt es, wenn auf Annas Konto nichts passiert ist? Und wenn die Bank diese 60 Euro am 15. April abbucht, ist das ein zweiter Aufwand? Der Kompass weiß keine Antwort.

Und manchmal bewegt sich gar kein Geld. Wenn sich der Wert von Annas ETF ändert, in Lektion 8, fließt kein einziger Cent, und trotzdem muss etwas gebucht werden.

"Wohin es geht, woher es kommt" ist eine Hilfe für die ersten Beispiele, nicht die Definition von Soll und Haben. Wir brauchen die echte Regel.

Die echte Regel: fünf Kontenfamilien

Jedes Konto gehört zu einer von fünf Familien:

  • Vermögenswerte: was du besitzt, wie das Girokonto oder das Haus.
  • Verbindlichkeiten: was du schuldest, wie die Hypothek oder die Kreditkarte.
  • Eigenkapital: was dir bleibt, wenn du die Schulden abziehst.
  • Erträge: was von außen kommt und dich reicher macht, wie die Gehälter.
  • Aufwendungen: was du verbrauchst, wie der Einkauf oder ein Abendessen.

Jetzt die Regel.

Vermögenswerte und Aufwendungen nehmen auf der Soll-Seite zu. Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Erträge nehmen auf der Haben-Seite zu. Jede Familie nimmt auf der Gegenseite ab.

FamilieZunahme imAbnahme imSaldo normalerweise imIn Annas Geschichte
VermögenswerteSollHabenSollGirokonto, Eigenheim, ETF
AufwendungenSollHabenSollSupermarkt, Restaurants
VerbindlichkeitenHabenSollHabenHypothek, Kreditkarte
EigenkapitalHabenSollHabenEröffnungssalden (Lektion 3 und 6)
ErträgeHabenSollHabenGehalt Anna, Gehalt Luca

Die Spalte "Saldo normalerweise im" sagt, wo der Saldo eines Kontos normalerweise steht. Beim Girokonto von Anna zum Beispiel ist die Summe im Soll größer als die Summe im Haben: Sein Saldo steht auf der Soll-Seite.

In den Lehrbüchern heißen die fünf Familien Kontenarten: Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und Eigenkapital sind Bestandskonten (Aktiv- und Passivkonten), Erträge und Aufwendungen sind Erfolgskonten, also Unterkonten des Eigenkapitals.

Diese Regel habe nicht ich erfunden, und auch nicht Cashfulness, die App, die ich für die Finanzen zu Hause in doppelter Buchführung gebaut habe. Es ist das Grundprinzip der doppelten Buchführung, und es gilt für jede Buchung, mit zwei Zeilen oder mit mehr.

Warum genau so

Hinter dieser Aufteilung steckt ein Grund. Auf die eine Seite kommt, was Anna besitzt und was sie verbraucht hat: Vermögenswerte und Aufwendungen. Auf die andere, woher das alles gekommen ist: die Schulden, das Eigenkapital, das sie schon hatte, die Erträge.

Die beiden Seiten sind immer gleich groß, Euro für Euro. Deshalb stehen sie in entgegengesetzten Spalten. Das gilt für jede Buchung, und damit für alle zusammen.

Der Kompass war im Grunde eine einfache Form dieser Idee: wohin der Wert gegangen ist, und woher er gekommen ist. Nur ist der Wert nicht immer Geld, und eine Schuld ist ein "woher", das nie über das Girokonto läuft.

Das Vorzeichen: eine Entscheidung von Cashfulness

In Cashfulness wird dieselbe Regel auch mit einem Vorzeichen geschrieben. Eine Zeile im Soll hat ein Pluszeichen, eine Zeile im Haben ein Minuszeichen. Das ist eine Konvention von Cashfulness, kein Gesetz: Viele Lehrbücher arbeiten nur mit den beiden Spalten.

Der Vorteil ist praktisch: Eine ausgeglichene Buchung ergibt in der Summe immer null.

5. März · dieselbe Buchung, mit dem Vorzeichen von Cashfulness

KontoSpalteMit Vorzeichen
GirokontoSoll+2.000,00 €
Gehalt AnnaHaben−2.000,00 €
Summe0,00 €

Aber das Vorzeichen sagt dir nur, in welcher Spalte die Zeile steht. Bei Gehalt Anna steht minus 2.000, und das Konto ist gewachsen. Ob ein Konto zunimmt oder abnimmt, erkennst du an seiner Familie.

Die ersten beiden Fälle, mit der Regel

  • Girokonto, ein Vermögenswert, der steigt: Soll.
  • Gehalt Anna, ein Ertrag, der steigt: Haben.
  • Supermarkt, ein Aufwand, der steigt: Soll.
  • Girokonto, ein Vermögenswert, der sinkt: Haben.

Der Kompass lag richtig, denn hier stand auf der einen Seite ein Geldkonto, auf der anderen ein Aufwand oder ein Ertrag. Aber der Kompass denkt in Geld. Steckt eine Schuld dazwischen, bewegt sich das Geld entweder gar nicht, oder es bewegt sich in eine Richtung, die täuscht.

Dritter Fall: das Abendessen mit der Karte. Jetzt du

Jetzt bist du dran. Das Abendessen vom 14. März, 60 Euro mit der Kreditkarte. Die erste Zeile verrate ich dir: Restaurants ist ein Aufwand, er steigt, also Soll, 60.

Dir fehlt die zweite. Welches Konto steigt außer Restaurants? Und in welche Spalte kommt es? Versuch zu antworten, bevor du weiterliest.

Es ist die Kreditkarte. Sie ist eine Verbindlichkeit: Seit diesem Abend schuldet Anna 60 Euro, und zwar der Bank, die ihr die Karte gegeben hat. Verbindlichkeiten nehmen auf der Haben-Seite zu: Haben, 60. Das Girokonto bleibt unberührt.

14. März · Abendessen mit der Kreditkarte

KontoSollHaben
Restaurants (Aufwand, steigt)60,00 €
Kreditkarte (Verbindlichkeit, steigt)60,00 €
Summe60,00 €60,00 €

In einer einzigen Buchung stecken zwei Dinge: ein Aufwand, weil sie das Essen gegessen haben, und eine Schuld, weil sie es noch nicht bezahlt haben.

Vierter Fall: Am 15. April zahlt Anna die Karte, nicht das Essen

Am 15. April bucht die Bank die Kreditkartenabrechnung ab: 60 Euro gehen vom Girokonto ab. Das Girokonto ist ein Vermögenswert, der sinkt: Haben, 60. Die andere Zeile kommt auf die Kreditkarte. Die Schuld sinkt, und Verbindlichkeiten nehmen auf der Soll-Seite ab: Soll, 60.

15. April · Abbuchung der Kreditkartenabrechnung vom Girokonto

KontoSollHaben
Kreditkarte (Verbindlichkeit, sinkt)60,00 €
Girokonto (Vermögenswert, sinkt)60,00 €
Summe60,00 €60,00 €

Die Kreditkarte hat am 14. März 60 Euro im Haben bekommen und am 15. April 60 Euro im Soll. Die Schuld für das Abendessen ist wieder bei null.

Und der Aufwand? Den gibt es nicht. Der Aufwand ist im März entstanden, am Abend des Essens. Am 15. April kauft Anna nichts Neues: Sie begleicht eine Schuld.

Eine Buchung, die aufgeht und trotzdem falsch ist

Nehmen wir an, Anna bucht die Abbuchung vom 15. April als Aufwand für Restaurants.

Absichtlich falsch: so nicht buchen

KontoSollHaben
Restaurants (Aufwand)60,00 €
Girokonto (Vermögenswert)60,00 €
Summe60,00 €60,00 €

Die beiden Summen sind gleich: Die Buchung geht auf. Und trotzdem ist sie falsch. Das Konto Restaurants kommt auf 120 Euro für ein Abendessen von 60 Euro, und die Kreditkarte sagt weiter, dass Anna 60 Euro schuldet, die sie schon bezahlt hat.

Die Kontrolle Soll gleich Haben prüft die Form der Buchung, nicht, ob du die richtigen Konten gewählt hast. Das prüfst du mit der Regel der Familien.

Noch etwas. Auf diese 60 Euro fallen keine Zinsen an. Würde die Karte Zinsen berechnen, wären diese Zinsen sehr wohl ein Aufwand. Bei der Hypothekenrate, in Lektion 4, trennen wir sie von der Tilgung.

Die vier Buchungen, eine nach der anderen

Hier sind die vier Vorgänge im Journal, also in der Liste der Buchungen nach Datum. Jede Zeile hat ihre Erklärung: zu welcher Familie das Konto gehört, und ob es steigt oder sinkt.

DatumKontoFamilie · WirkungSollHaben
5. MärzGirokontoVermögenswert · steigt2.000,00 €
Gehalt AnnaErtrag · steigt2.000,00 €
6. MärzSupermarktAufwand · steigt85,00 €
GirokontoVermögenswert · sinkt85,00 €
14. MärzRestaurantsAufwand · steigt60,00 €
KreditkarteVerbindlichkeit · steigt60,00 €
15. AprilKreditkarteVerbindlichkeit · sinkt60,00 €
GirokontoVermögenswert · sinkt60,00 €
Summe2.205,00 €2.205,00 €

Die Summe im Soll ist 2.205 Euro, die Summe im Haben auch. Mit dem Vorzeichen von Cashfulness: +2.205,00 € − 2.205,00 € = 0.

Niemand hat die Summe am Ende angepasst: Jede Buchung war schon für sich ausgeglichen.

In deutschen Lehrbüchern schreibt man jede dieser Buchungen auch als Buchungssatz, nach der Formel "Soll an Haben": den Einkauf vom 6. März zum Beispiel als "Supermarkt an Girokonto 85,00 €". In der Schweiz schreibt man meist mit Schrägstrich: "Supermarkt / Girokonto 85,00 €".

Im Journal von Cashfulness

Im Video werden dieselben Buchungen in Cashfulness geöffnet, in dem Bereich, den wir für Annas Geschichte benutzen. Wenn du im "Journal" eine Buchung öffnest, siehst du drei Spalten: Konto, Soll, Haben. Darunter steht die Zeile Gesamt, mit der Summe im Soll und der Summe im Haben. Bei der Kreditkartenabrechnung vom 15. April: die Kreditkarte in der Soll-Spalte, das Girokonto in der Haben-Spalte, und darunter 60 und 60.

Neben den Beträgen steht ein Pfeil: nach oben in der Soll-Spalte, nach unten in der Haben-Spalte. Der Pfeil zeigt die Spalte, nicht, ob das Konto steigt oder sinkt. Bei der Kreditkartenabrechnung vom 15. April steht die Kreditkarte in der Soll-Spalte, mit dem Pfeil nach oben, und ihre Schuld sinkt.

Im Journal stehen die Beträge ohne Vorzeichen, jeder in seiner Spalte. Plus und Minus bleiben in der App, in der Art, wie sie die Zeilen speichert.

Was allgemeines Prinzip ist und was eine Entscheidung von Cashfulness

Allgemeine Prinzipien der doppelten Buchführung

  • Jeder Vorgang betrifft mindestens zwei Konten, und in jeder Buchung ist die Summe im Soll gleich der Summe im Haben. Eine Buchung kann drei oder mehr Zeilen haben.
  • Vermögenswerte und Aufwendungen nehmen im Soll zu; Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Erträge nehmen im Haben zu. Jede Familie nimmt auf der Gegenseite ab.
  • "Wohin der Wert geht, woher er kommt" ist eine Eselsbrücke zum Lernen, keine Definition. Sie funktioniert gut, wenn einem Geldkonto ein Aufwand oder ein Ertrag gegenübersteht; bei Schulden wird sie mehrdeutig, und sie hilft nicht, wenn sich gar kein Geld bewegt (eine Neubewertung, ein Eröffnungssaldo).
  • Eine ausgeglichene Buchung ist nicht automatisch richtig: Die Kreditkartenabrechnung als Aufwand gebucht geht genauso auf, zählt das Abendessen aber doppelt. Die Kontrolle Soll gleich Haben prüft die Form; die Zuordnung prüfst du mit der Regel der Familien, vergessene Vorgänge mit der Kontenabstimmung, in Lektion 7.
  • Eine Schuld zurückzuzahlen ist kein neuer Aufwand. Zinsen und Gebühren, falls es welche gibt, sind ein Aufwand des Zeitraums.

Entscheidungen von Cashfulness

  • Das Vorzeichen: Eine Zeile im Soll hat ein Pluszeichen, eine Zeile im Haben ein Minuszeichen, so ergibt jede ausgeglichene Buchung null. Das Vorzeichen zeigt die Spalte, nicht, ob das Konto zunimmt: Ein Ertrag, der wächst, hat ein Minuszeichen.
  • Die Pfeile im Journal: nach oben neben den Beträgen im Soll, nach unten neben denen im Haben. Auch hier zeigt der Pfeil die Seite, nicht die Richtung des Saldos.
  • Im Kontenplan der App sind die Vermögenswerte in zwei Gruppen geteilt, "Vermögenswerte+" und "Vermögenswerte-". Das ist ein Blickwinkel von Cashfulness, und wir sehen ihn uns in Lektion 5 an. Für Soll und Haben ändert sich nichts: Es sind alles Vermögenswerte, und sie nehmen im Soll zu.

Entscheidungen dessen, der die Bücher führt

  • Wie viele Konten du anlegst und wie du sie nennst: hier ein Gehaltskonto pro Person, Gehalt Anna und Gehalt Luca, und Restaurants getrennt vom Supermarkt. Die doppelte Buchführung schreibt das nicht vor.

Die Beträge sind Beispiele und dienen dazu, den Mechanismus zu zeigen. Die Gehälter sind netto, und in diesen vier Vorgängen gibt es weder Gebühren noch Zinsen.

Häufige Fragen

Kommt das Gehalt ins Soll oder ins Haben?

In beide, auf verschiedenen Konten. Das Girokonto, ein Vermögenswert, der steigt, bekommt eine Zeile im Soll. Das Ertragskonto, zum Beispiel Gehalt, bekommt eine Zeile im Haben, weil Erträge im Haben zunehmen. Haben heißt hier nicht besitzen: Es ist die rechte Spalte.

Warum steht das Gehalt auf meinem Kontoauszug im Haben?

Weil die Bank dein Girokonto aus ihrer Sicht führt. Für die Bank ist dein Guthaben eine Schuld an dich, also eine Verbindlichkeit, und eine Gutschrift lässt diese Schuld im Haben wachsen. In deiner eigenen Buchführung ist das Girokonto dagegen ein Vermögenswert: Dort kommt die Gutschrift ins Soll, und ins Haben kommt die Zeile auf dem Ertragskonto Gehalt. Beide Darstellungen stimmen, sie schauen nur von zwei Seiten auf dasselbe Konto. Aus demselben Grund heißt "im Soll sein" bei der Bank, dass das Konto überzogen ist.

Ist die Abbuchung der Kreditkartenabrechnung ein Aufwand?

Nein, wenn der Einkauf schon am Tag des Kaufs gebucht wurde. Die Abbuchung verringert das Girokonto (Haben) und verringert die Schuld bei der Kreditkarte (Soll): kein neuer Aufwand. Würdest du sie als Aufwand buchen, würdest du denselben Einkauf doppelt zählen. Zinsen und Gebühren der Karte, falls es welche gibt, sind dagegen Aufwand.

Heißt Soll Geld raus und Haben Geld rein?

Nein. Beim Girokonto und bei den anderen Vermögenswerten ist es umgekehrt: Geld, das hereinkommt, ist eine Zunahme und kommt ins Soll. Bei einer Verbindlichkeit kommt eine Schuld, die wächst, ins Haben. Die Seite hängt von der Familie des Kontos ab.

Transkript der Lektion

Der Text von Lektion 2, so wie er im Video gesprochen wird. Die Zahlen sind dieselben wie im Video.

Am 5. März kommt Annas Gehalt: 2.000 Euro aufs Girokonto. Geld, das hereinkommt. Und trotzdem kommt eine der beiden Zeilen der Buchung ins Haben. Wenn du denkst, Haben heißt Abgang, oder Haben heißt Besitz, sieht das wie ein Fehler aus. Es ist keiner.

Soll und Haben sind die Namen von zwei Spalten: Soll links, Haben rechts. In welche Spalte eine Zeile kommt, entscheidet die Art des Kontos, das sich verändert. Nicht die Richtung des Geldes. Soll und Haben heißen nicht Geld raus und Geld rein. Und auch nicht schlecht und gut. Ich zeige es dir an vier Vorgängen aus Annas Monat. Der Reihe nach: das Gehalt, der Einkauf, ein Abendessen mit der Kreditkarte und der Tag, an dem die Karte bezahlt wird.

In der doppelten Buchführung zeichnet man ein Konto wie ein T. Deshalb heißt es T-Konto. Oben der Name, links Soll, rechts Haben. Jeder Vorgang wird mit einer Buchung festgehalten: mindestens zwei Zeilen, auf mindestens zwei Konten. Es können auch drei sein, oder vier. Eine Regel gilt ohne Ausnahme: Die Summe im Soll ist gleich der Summe im Haben.

Zurück zum 5. März. Für die ersten Schritte nehme ich einen einfachen Kompass: wohin das Geld geht, und woher es kommt. Die 2.000 Euro gehen aufs Girokonto: Soll, 2.000. Woher kommen sie? Aus Annas Arbeit, also vom Konto Gehalt Anna: Haben, 2.000. Das ist die Zeile vom Anfang. Gehalt Anna ist ein Ertrag: etwas, das von außen kommt und dich reicher macht. Und Haben heißt hier nicht, dass Anna etwas in der Tasche hat. Es heißt nur: rechte Spalte.

Am nächsten Tag ein Großeinkauf im Supermarkt. 85 Euro, mit der Debitkarte. Das Geld geht aufs Konto Supermarkt, und das ist ein Aufwand: etwas, das du verbrauchst und das nicht zurückkommt. Soll, 85. Es kommt vom Girokonto, und das sinkt: Haben, 85. Jetzt schau aufs Girokonto. Am 5. März stand seine Zeile im Soll, am 6. März im Haben. Dasselbe Konto, die andere Spalte. Denn einmal steigt es, und einmal sinkt es. Keine der beiden Spalten ist die gute.

Bis hierhin funktioniert der Kompass. Am 14. März aber gehen Anna und Luca essen und zahlen 60 Euro mit der Kreditkarte. Vom Girokonto geht nichts ab. Das Geld geht ans Restaurant, so weit, so gut. Aber woher kommt es, wenn auf Annas Konto nichts passiert ist? Und am 15. April bucht die Bank diese 60 Euro ab. Ist das ein zweiter Aufwand? Der Kompass weiß keine Antwort. Und manchmal bewegt sich gar kein Geld: Wenn sich der Wert von Annas ETF ändert, fließt kein einziger Cent. Das sehen wir in Lektion 8. Wir brauchen die echte Regel.

Jedes Konto gehört zu einer von fünf Familien. Die Vermögenswerte: was du besitzt, wie das Girokonto oder das Haus. Die Verbindlichkeiten: was du schuldest, wie die Hypothek oder die Kreditkarte. Das Eigenkapital: was dir bleibt, wenn du die Schulden abziehst. Die Erträge: was von außen kommt und dich reicher macht, wie die Gehälter. Die Aufwendungen: was du verbrauchst, wie der Einkauf oder ein Abendessen. Jetzt die Regel. Vermögenswerte und Aufwendungen nehmen auf der Soll-Seite zu. Verbindlichkeiten, Eigenkapital und Erträge nehmen auf der Haben-Seite zu. Jede Familie nimmt auf der Gegenseite ab. Diese Regel habe nicht ich erfunden. Und auch nicht Cashfulness, die App, die ich für die Finanzen zu Hause gebaut habe. Es ist das Grundprinzip der doppelten Buchführung.

Hinter dieser Aufteilung steckt ein Grund. Auf die eine Seite kommt, was Anna besitzt und was sie verbraucht hat: Vermögenswerte und Aufwendungen. Auf die andere, woher das alles gekommen ist: die Schulden, das Eigenkapital, das sie schon hatte, die Erträge. Die beiden Seiten sind immer gleich groß, Euro für Euro. Deshalb stehen sie in entgegengesetzten Spalten. Und der Kompass war im Grunde eine einfache Form dieser Idee: wohin der Wert gegangen ist, und woher er gekommen ist.

In Cashfulness wird dieselbe Regel auch mit einem Vorzeichen geschrieben. Eine Zeile im Soll hat ein Pluszeichen, eine Zeile im Haben ein Minuszeichen. Das ist eine Konvention von Cashfulness, kein Gesetz: Viele Lehrbücher arbeiten nur mit den beiden Spalten. Der Vorteil ist praktisch: Eine ausgeglichene Buchung ergibt in der Summe immer null. Aber das Vorzeichen sagt dir nur, in welcher Spalte die Zeile steht. Bei Gehalt Anna steht minus 2.000, und das Konto ist gewachsen. Ob ein Konto zunimmt oder abnimmt, erkennst du an seiner Familie.

Lies die ersten beiden Fälle noch einmal, diesmal mit der Tabelle. Girokonto, ein Vermögenswert, der steigt: Soll. Gehalt Anna, ein Ertrag, der steigt: Haben. Supermarkt, ein Aufwand, der steigt: Soll. Girokonto, ein Vermögenswert, der sinkt: Haben. Der Kompass lag richtig. Denn hier stand auf der einen Seite ein Geldkonto, auf der anderen ein Aufwand oder ein Ertrag. Aber der Kompass denkt in Geld. Steckt eine Schuld dazwischen, bewegt sich das Geld entweder gar nicht. Oder es bewegt sich in eine Richtung, die täuscht.

Jetzt bist du dran. Das Abendessen vom 14. März, 60 Euro mit der Kreditkarte. Die erste Zeile verrate ich dir: Restaurants ist ein Aufwand. Er steigt, also Soll, 60. Dir fehlt die zweite. Welches Konto steigt außer Restaurants? Und in welche Spalte kommt es? Denk kurz nach und probier es.

Es ist die Kreditkarte. Sie ist eine Verbindlichkeit. Seit diesem Abend schuldet Anna 60 Euro, und zwar der Bank, die ihr die Karte gegeben hat. Verbindlichkeiten nehmen auf der Haben-Seite zu: Haben, 60. Das Girokonto bleibt unberührt. In einer einzigen Buchung stecken also zwei Dinge. Ein Aufwand, weil sie das Essen gegessen haben. Und eine Schuld, weil sie es noch nicht bezahlt haben.

Am 15. April bucht die Bank die Kreditkartenabrechnung ab: 60 Euro vom Girokonto. Das Girokonto ist ein Vermögenswert, der sinkt: Haben, 60. Die andere Zeile kommt auf die Kreditkarte. Die Schuld sinkt, und Verbindlichkeiten nehmen auf der Soll-Seite ab: Soll, 60. Die Schuld für das Abendessen ist wieder bei null.

Und der Aufwand? Den gibt es nicht. Der Aufwand ist im März entstanden, am Abend des Essens. Am 15. April kauft Anna nichts Neues: Sie begleicht eine Schuld. Bucht sie die Abbuchung als Aufwand, zählt das Abendessen doppelt: 120 Euro bei Restaurants. Und die Kreditkarte sagt dann, dass Anna noch 60 Euro schuldet. Die hat sie aber schon bezahlt.

Noch etwas. Auf diese 60 Euro fallen keine Zinsen an. Würde die Karte Zinsen berechnen, wären diese Zinsen sehr wohl ein Aufwand. In Lektion 4 trennen wir sie bei der Hypothekenrate von der Tilgung.

Hier sind die vier Buchungen, eine nach der anderen. Jede Zeile hat ihre Erklärung: zu welcher Familie das Konto gehört, und ob es steigt oder sinkt. Die Summe im Soll: 2.205 Euro. Die Summe im Haben: 2.205 Euro. Mit den Vorzeichen von Cashfulness: plus 2.205, minus 2.205, null. Niemand hat die Summe am Ende angepasst: Jede Buchung war schon für sich ausgeglichen.

Dieselben Buchungen stehen in Annas Bereich, in Cashfulness. Das ist die Abbuchung vom 15. April, im Journal geöffnet. Drei Spalten: Konto, Soll, Haben. Die Kreditkarte in der Soll-Spalte, das Girokonto in der Haben-Spalte, und darunter die Summe: 60 und 60. Schau dir die Pfeile genau an. Nach oben neben dem Soll, nach unten neben dem Haben. Sie zeigen die Spalte, nicht, ob das Konto steigt oder sinkt. Hier steht die Kreditkarte in der Soll-Spalte, mit dem Pfeil nach oben, und trotzdem sinkt die Schuld. Jetzt das Abendessen vom 14. März: der Aufwand in der Soll-Spalte, die Karte in der Haben-Spalte, die Summe ausgeglichen.

Wenn du dir nur eins merkst, dann das. Soll und Haben sind zwei Spalten: Über die Seite entscheidet die Familie des Kontos, nicht die Richtung des Geldes. Jetzt können wir nicht nur Buchungen lesen, sondern auch, was du besitzt und was du schuldest. In der nächsten Lektion stellen wir alle Konten von Anna am 1. März nebeneinander. Dann sehen wir, wie viel ihr bleibt, wenn man die Schulden abzieht. Die vier Buchungen von heute, mit der Tabelle der Familien, findest du auf der Seite der Lektion. Der Link ist in der Beschreibung.

Die vorherige Lektion

Lektion 1 · Doppelte Buchführung zu Hause: die Methode von 1494, bis heute aktuell. Warum der Saldo allein nicht reicht und warum jeder Vorgang auf mindestens zwei Konten gebucht wird. Mit dem Einkauf für 32 Euro und Sofias Sparschwein.

Die nächste Lektion

Lektion 3 · Nettovermögen: die Zahl, die dir dein Kontostand nicht zeigt. Anna hat 5.000 Euro auf dem Girokonto. Wir stellen am 1. März alle ihre Konten nebeneinander, Eigenheim und Hypothek inklusive, und sehen, wie viel ihr bleibt, wenn man die Schulden abzieht.

Probier es mit deinen eigenen Konten

Ich habe Cashfulness gebaut, um die Finanzen zu Hause in doppelter Buchführung zu führen. Wenn du die Regel mit deinen eigenen Zahlen ausprobieren willst, fang mit einem Abendessen an, das du mit der Kreditkarte bezahlt hast: Du wählst die zwei Konten, die App hält die Buchung ausgeglichen.

Cashfulness entdecken

Quellen

  • Luca Pacioli, Summa de arithmetica, geometria, proportioni et proportionalità, Venedig 1494, Traktat Particularis de computis et scripturis: die erste gedruckte Beschreibung der doppelten Buchführung.
  • IFRS Foundation, Conceptual Framework for Financial Reporting: die Definitionen der Abschlussposten (Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Eigenkapital, Erträge, Aufwendungen), also der fünf Familien. Die Regel von Soll und Haben steht dort nicht: Sie ist die Konvention der doppelten Buchführung.
  • Cashfulness-Benutzerhandbuch, Kapitel Was ist Cashfulness, Abschnitt "Doppelte Buchführung, einfach gemacht".
  • Die Beispiele stammen aus der Geschichte von Annas Familie, die für den Kurs "Doppelte Buchführung Schritt für Schritt" entwickelt wurde: Jede Buchung ist geprüft, mit Summe Soll gleich Summe Haben.

Vittorio Giusti ist Ökonom und Psychologe und hat Cashfulness gebaut.

— Vittorio Giusti